Acht Google-Projekte die Sie kennen sollten

Moonshots – Technologien für die Zukunft

Der Technologieriese Google treibt zahlreiche Innovationen abseits des normalen Geschäfts voran. Manche offen, andere versteckt. Diese Projekte vermitteln einen guten Eindruck, wo wir in Sachen Digitalisierung stehen und was uns noch alles erwartet.

Moonshots: Technologische Innovationen für die Zukunft

Moonshots sind bahnbrechende Innovationen für globale Herausforderungen, so wie seinerzeit das Apollo-Projekt der NASA.

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Vor kurzem bin ich endlich dazu gekommen, das Buch „Was Google wirklich will“ von Spiegel-Autor Thomas Schulz zu lesen. Seine Einblicke in den kalifornischen Internetriesen haben mich schon länger interessiert. Dabei hat mich am meisten interessiert, welche Innovationen Google abseits des daily business vorantreibt – und welche sie davon auch preisgeben. Inzwischen sind viele der Themen bekannt. Bei den Silicon-Valley-Reisenden sowieso.

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Den größten Teil von Google kennt jeder. Und zwar den, der sich ums Kerngeschäft kümmert: die Suchmaschine, das Smartphone-Betriebssystem Android, die Videoplattform YouTube, der Kartendienst Google Maps, der E-Mail-Dienst Gmail und der Webbrowser Chrome. Dies sind quasi die Cashcows des Konzerns. Allein im dritten Quartal 2017 haben sie 8,8 Milliarden Dollar Gewinn abgeworfen.

Innovationsfabrik Google X

Daneben gibt es noch den weithin unbekannten Teil, die . Dahinter steckt so etwas wie die Innovationsfabrik des Konzerns. Deren Auftrag ist genauso simpel wie schwierig: Sie soll „Moonshots“ entwickeln, sprich Ideen, die die Menschheit voranbringen, so wie seinerzeit das Apollo-Projekt der NASA. Am Ende des Tages sollen sie natürlich auch neues Geld in die Kasse von Google spülen.

Und neue Produkte und Dienste von Google sollen nicht einfach nur zehn Prozent besser sein. Sie sollen gleich zehnmal besser sein. Das wird Larry Page und damit auch der Autor nicht müde, zu betonen. Es geht um große Sprünge statt kleiner Schritte. Und das Ganze in einem überschaubaren Zeitrahmen von 5-10 Jahren.

Diese Google-Projekte vermitteln einen guten Eindruck, wo wir in Sachen Digitalisierung stehen und was uns noch alles erwartet.

Interdisziplinäre Experten unter einem Dach vereint

„In unseren Teams bei X arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler eng zusammen mit Produktmanagern, Designern und Marketingspezialisten. Sie haben alle unterschiedliche Werdegänge“

Dank der Milliarden, die die Suchmaschine abwirft, hat X sehr gute Voraussetzungen für solche ehrgeizigen Moonshot-Missionen: Die besten Köpfe aus der ganzen Welt. Mitarbeiter, die intellektuell flexibel sind und gleichzeitig tiefes Fachwissen haben (Stichwort „T-shaped“). Übrigens: Viele Deutsche, gern Ingenieure, sind mit von der Partie. Es gibt kleine Kernteams, die jederzeit von internen Experten unterstützt werden können (Fünf Leute mit den Möglichkeiten von 50).

Google Firmensitz in Mountain View, Kalifornien

Der Google Firmensitz in Mountain View, Kalifornien
© Maglara / Shutterstock.com

Die Teams werden drauf getrimmt, zuerst die größten Risiken anzugehen. Und Projekte, die aussichtslos sind, werden auch zügig beerdigt – wie der oder der . Dafür gibt es „Kill Signals“, die vorher festgelegt werden. Getreu dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Scheitern gehört zur Arbeit der X-ler unweigerlich dazu. Damit die sich aber nicht hoffnungslos verzetteln, gibt’s für jede neue Idee drei Kriterien:

  1. Das Problem muss von globaler Bedeutung sein.
  2. Es muss eine radikal neue technische Lösung dafür geben.
  3. Die Idee muss sich auch zeitlich und finanziell realisieren lassen. Nur dann geht’s für die Idee weiter.

„Null-Millionen-Dollar-Probleme“ besonders beliebt

Astro Teller, der „Captain of Moonshots“ (so sein echter Titel), sagt, bei X gebe es hunderte Ideen für wenige Stunden, Dutzende für einige Wochen und nur eine Handvoll mit denen sich die Teams dann langfristig beschäftigen. Am liebsten sind dem X-Team „“. Das sind Probleme von globaler Bedeutung, an denen noch niemand forscht. Davon gibt es aber nicht allzu viele. Auch Amazon, Facebook, Apple, Uber und etliche Start-ups haben sich Themen vorgeknüpft, an denen Google X arbeitet. Also müssen Page, Teller & Co. versuchen, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern. Machen wir uns nichts vor – und das wird im Buch auch deutlich – der Konkurrenzkampf zwischen den großen Playern im Valley ist enorm.

Acht Google Projekte, auf die man achten sollte

Im Folgenden finden Sie einige Projekte, an denen in der Moonshot-Fabrik von Google gearbeitet wird bzw. wurde. Sie zeigen viel von der Denke der Google-Crew. Nicht den konventionellen Weg gehen, sondern Lösungen für große Probleme immer wieder neu erfinden.

1. Schnelles Internet durch das Projekt „Loon“

Beim geht es um gasgefüllte Ballone, die in die Stratosphäre aufsteigen und Wifi-Signale von Mobilfunkmasten zurück auf die Erde senden. So will Google bis zu einer Milliarde Menschen selbst in den entlegensten Ecken der Welt schnelles Internet bringen. Die Ballone sind wesentlich günstiger als Satelliten. Kunden und Unternehmen profitieren gleichermaßen: Zugang zu Wissen und Bildung auf der einen Seite, potenzielle Milliarden-Einnahmen auf der anderen. Bei der Flutkatastrophe in Peru im letzten Frühjahr hat Loon schon sein Potenzial gezeigt: Auf einer Fläche von 40.000 Quadratkilometern (so groß wie die Schweiz) wurden zehntausende Flutopfer mit Internet versorgt. Die Datenmenge reichte für den Versand von 30 Millionen WhatsApp-Nachrichten oder zwei Millionen E-Mails.

2. Das Drohnenprojekt „Wing“

Das Ziel des Projekts „Wing“ ist es, ein Liefersystem aus der Luft zu schaffen. Und zwar massentauglich. Spezielle Drohnen sollen künftig Lebensmittel, Medikamente oder Dokumente in kürzester Zeit an jeden Ort der Erde bringen. Aus 50 Metern Höhe lassen die Drohnen ihre Paketboxen dann vorsichtig ab. Ein solches System wäre nützlich in Entwicklungsländern mit schlecht ausgebauten Straßen, auf Inseln, in Bergen oder aber auch in verstopften Großstädten. Mit „Wing“ soll der Warentransport revolutioniert und das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden.

3. Projekt „Makani für regenerative Energiegewinnung

Hinter dem stecken fliegende Windturbinen zur Stromgewinnung. Auf bis zu 26 Meter langen Drachen sind mehrere Propeller angebracht. Ein Generator wandelt die Propeller-Bewegungen in Strom um und leitet ihn zu einer Bodenstation. Die Idee dahinter: Je höher, desto mehr Wind. Und eine doppelt so hohe Windgeschwindigkeit bringt achtmal so viel Windkraft. Bis zu 600 Kilowatt kann daher ein einzelner Drache erzeugen, genug für die Stromversorgung von 300 Häusern.

4. Mehr Gesundheit durch die „Verily“-Projekte

Im Rahmen der wurde an medizinischen Lösungen im X-Labor geforscht. Inzwischen wurden sie an eine eigene Einheit abgegeben. Zu diesen Moonshots gehören Kontaktlinsen, die mit Chips, Sensoren und Antennen ausgestattet, den Blutzucker in der Augenflüssigkeit messen. Diabetiker müssen sich somit nicht mehr in den Finger stechen. Oder Nanopartikel, die in der Blutbahn kreisen und permanent den Gesundheitszustand des Menschen überwachen. Diese programmierbaren Teilchen sind kleiner als eine Blutzelle oder ein Virus und können sich mit der DNA „unterhalten“. Über die gesammelten Daten sollen sich Krankheiten viel früher als bisher erkennen lassen.

5. „Waymo“: Das selbstfahrende Auto

Das selbstfahrende Auto war eines der ersten X-Projekte – verantwortet von dem Deutschen Sebastian Thrun, der auch das Innovationslabor selbst aufgebaut hat. Wie bei vielen Moonshot-Projekten hielten zunächst selbst Experten das autonome Fahren für unmöglich. Im Herbst 2015, nur sechs Jahre nach dem Start des Projekts, absolvierte das Team „die weltweit erste vollständig selbstfahrende Fahrt auf öffentlichen Straßen in einem Auto ohne Lenkrad, Pedale oder Testfahrer“. Inzwischen ist die Technologie schon so weit, dass daraus mit , ein eigenes Unternehmen unter dem Dach von Alphabet geschaffen wurde. Die Vision von Google: selbstfahrende Robo-Taxis, die den Menschen Zeit zurückgeben, die Verkehicherheit erhöhen und die Umwelt schonen.

6. Künstliche Intelligenz durch „Google Brain“

Bei „“ wird an künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen geforscht. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen etwa Computer befähigen, den Inhalt von Fotos, Texten und Audiodateien zu verstehen. Dafür dient die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns als Vorbild, Stichwort „Deep Learning“. Das X-Projekt ist mittlerweile Teil von Google selbst. Und die Technologie steckt bereits in vielen Produkten: Zum Beispiel im smarten Lautsprecher Google Home oder in der Spracherkennung von Android. Künftig sind viele weitere Anwendungen denkbar, etwa die selbständige Erkennung und Übersetzung von fremdsprachigen Schriftzügen auf Fotos.

7. Roboter-Projekte

„Ich sehe das als einen Bereich mit vielen Möglichkeiten, um generell die Welt effizienter, produktiver und kostengünstiger zu machen.“

Larry Page

Auch am Thema „” arbeiten in der Moonshot-Factory hunderte Mitarbeiter mit Hochdruck. Es geht um Industrieroboter, Logistikroboter, Flugroboter. Sie sollen leicht zu bedienen sein, selbstständig lernen, mit ihrer Umgebung interagieren und selbst komplexere Aufgaben erledigen können.

Eine Disziplin ist die Cloud-Robotik: Über die Datenwolke haben die autonomen Maschinen Zugriff auf riesige Datenmengen und Rechenleistung. So können 10.000 Roboter in einer Stunde lernen, wofür einer allein 10.000 Stunden brauchen würde.

Man darf gespannt sein, was Google daraus in den nächsten Jahren macht.

8. Projekt Quantencomputer für mehr Rechenleistung

Letztes Beispiel für die großen Wetten, die Google laufen hat, sind die Aktivitäten rund um . Diese versprechen eine Rechenleistung, die um ein Vielfaches höher ist als die von herkömmlichen Computern. Mit ihrer Hilfe will Google große Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz erzielen und grundsätzliche Herausforderungen der Informatik lösen. Dafür hat sich der Konzern mit der NASA zusammengetan. Die Weltraumbehörde will mit den Rechnern neue Planeten entdecken, Google will damit besser vorhersagen, wie sich Krankheiten oder das Klima entwickeln werden.

Nur die Spitze des Eisbergs ist sichtbar

 

Ich denke, diese Projekte sind nur die Spitze des Eisbergs. Google arbeitet still und leise sicher an vielen weiteren Themen. Es bleibt also spannend, was da noch alles auf uns zukommt. Für uns kann es nur eine Devise geben: Wach bleiben, aktiv sein und selbst kreativ gestalten. Leichter gesagt als getan. Aber , der Versuch, sich neu zu erfinden, sind ein interessantes Beispiel für diese Haltung.

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Über den Autor

Dr. Ferri Abolhassan

Dr. Ferri Abolhassan ist Mitglied der Geschäftsführung der Telekom Deutschland GmbH und Vorsitzender Geschäftsführer der Deutsche Telekom Service GmbH und der Deutsche Telekom Außendienst GmbH. Zuvor war der promovierte Informatiker für T-Systems, Siemens, SAP, IBM und IDS Scheer tätig.

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