Zurück in die Zukunft mit dem „Banco-Coin“

Zum Potential von Kryptowährungen

Kryptowährungen wie der Bitcoin sind aktuell auf dem Vormarsch. Aber eignet sich das digitale Geld als Ersatz für das heutige Fiatgeld? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, lohnt ein Blick zurück in die Vergangenheit der Hansestadt Hamburg.

Kryptowährungen

Über das Potential von Kryptowährungen.

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Drohende Bankenpleiten, negative Zinsen und ungelöste Schuldenkrise: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Stabilisierung unseres Finanzsystems alle Hände voll zu tun. Durch noch nie dagewesene Maßnahmen, im Zuge des Quantitative Easing, befindet sich die EZB auf unbekanntem Terrain und probiert mit einem Drahtseilakt den Euro hinsichtlich Preisstabilität und Wirtschaftswachstum europaweit auszubalancieren. Während die europäische Gemeinschaftswährung für Deutschland zu weich ist, ist sie für Länder wie Griechenland, Portugal oder auch Italien immer noch zu hart.

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Kryptowährungen funktionieren ohne Intermediär

Wie kann also das Geldsystem der Zukunft aussehen? Eine gänzlich neue Entwicklung der Finanzwelt tritt hier in Erscheinung: die digitalen Kryptowährungen. Diese Kryptowährungen (von englisch to encrypt = verschlüsseln) werden ganz ohne Intermediär auf einem weltweiten Netzwerk an verschlüsselten digitalen Privatkonten, sogenannten Wallets, hin- und her gesendet. Dabei wird jede Transaktion (Block) auf einer globalen Kette (Chain) registriert und ergibt in Summe ein umfassendes Register an Transaktionen: die Block Chain. Transaktionen lassen sich so direkt, relativ schnell und kostengünstig ausführen – ohne geografische Beschränkungen. Gleichzeitig lässt sich die Geldmenge nicht so leicht beeinflussen wie bei Fiatgeld, ein entsprechender Algorithmus vorausgesetzt. Allerdings mangelt es den relativ jungen Kryptowährungen noch an Akzeptanz und Vertrauen im Wirtschaftskreislauf, da weder echte Werte noch Staaten hinter dieser Geldform stehen. Das drückt sich unter anderem in großen Kuchwankungen zu etablierten Währungen aus.

Der Erfolg der Mark Banco

Um nun eine mögliche Alternative für ein Geldsystem der Zukunft zu finden, lohnt ein Blick in die Vergangenheit Hamburgs. Auf Initiative der Kaufleute und Stadtherren, wurde 1619 als Antwort auf die Münzverschlechterung, das Quantitative Easing der damaligen Zeit, und die schier endlose Vielfalt an verschiedenen Währungen aus dem internationalen Handel, die Hamburger Bank als erste Girobank Deutschlands gegründet. Eine Besonderheit war die Schaffung einer einheitlichen Rechenwährung und damit einer Revolutionierung des Zahlungsverkehrs durch die Mark Banco. Wo zuvor mithilfe von aufwendigen Wechseltableaus für jede der vielen Währungen Wechselkurse zu allen anderen Währungen gestellt werden mussten, konnte mit Einführung der Mark Banco bequem über eine zentrale Tauschwährung quotiert werden. Dabei wurde die Mark Banco niemals als Münze oder Schein in Umlauf gebracht. Eine weitere wichtige Eigenschaft war die Deckung von Guthaben in Mark Banco durch eine Volldeckung im Feinsilberstandard. Diese Reserven lagen als Garant für die Stabilität der Währung in den Tresoren der Bank. Dadurch wurde einerseits Inflation effektiv verhindert, andererseits konnten sich Kunden der Bank sicher sein, jederzeit Auszahlungen in voller Höhe ihrer Guthaben zu erhalten. Nach deren Ersatz durch die Reichsmark behielt die Mark Banco ihr hohes Ansehen. Es fehlte ihr nicht an Qualität, sondern es war eine politische Entscheidung, die zu ihrem Ende führte. Daher stellt sich die Frage, wie man die Vorteile der Mark Banco, des Euros und der Kryptowährungen vereinen könnte und wie sich so das Finanzsystem stabilisieren ließe.

Das Geld der Zukunft?

Ein Gedankenexperiment: In Hamburg könnte man abermals eine neue Währung schaffen – den „Banco-Coin“. Der Banco-Coin könnte digital auf einer Block Chain abgerechnet und analog zur Mark Banco durch eine physische Menge Edelmetall im Wert besichert werden. Im Vergleich zu anderen Kryptowährungen sollte dies dem Banco-Coin Wertstabilität und Akzeptanz verleihen. Preise könnten sowohl in Banco-Coin – für unbare Transaktionen – als auch in lokaler Währung, wie beispielsweise dem Euro, ausgezeichnet werden. Block-Chain-typisch sind Transaktionen relativ kostengünstig und schnell möglich. Sollte das Experiment erfolgreich sein, beispielsweise durch Preisstabilität und Akzeptanz in der Bevölkerung, könnte der Banco-Coin abermals als Blaupause für die europäische Union dienen: eine einheitliche europäische Kryptowährung für alle als Referenzwährung sowie zusätzlich lokale Währungen. Damit wären die zentralen Schwächen des Euro und der noch jungen Kryptowährungen aufgegriffen und basierend auf der Mark Banco eine alternative, internationale und innovative Währungsoption geschaffen. Dies könnte einerseits schwächeren oder krisengeschüttelten Volkswirtschaften helfen, eine unabhängigere Geldpolitik zu betreiben, und anderseits bei starken Exportnationen währungsgetriebene Vorteile dämpfen.

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So wäre Hamburg abermals Ort entscheidender Innovation – pünktlich zum 400. Geburtstag der Mark Banco. Auf diese Weise könnte die Hansestadt ihren Teil zur Entwicklung eines Finanzsystems der Zukunft für einen gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum beitragen.


Sinan Krückeberg – Doktorand HSBA

Sinan Krückeberg

Sinan Krückeberg ist Co-Autor des Beitrags. Der Komplementär der familieneigenen Vermögensverwaltung und Mitglied des Aufsichtsrates eines großen Mittelständlers promoviert zu Fragen der Geldpolitik, insbesondere Kryptowährungen an der HSBA.

 


Der Beitrag erschien ursprünglich als Teil des Jahrbuchs 2017/18 des Ver4einas Finanzplatz Hamburg, dessen Mitglied der Bank Blog ist. Das Jahrbuch können Sie herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

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Über den Autor

Prof. Dr. Peter Scholz

Prof. Dr. Peter Scholz ist an der HSBA Hamburg School of Business Administration Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Banken und Finanzmärkte. Zuvor war er über zehn Jahre im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft tätig – als Portfoliomanager bei der Deka Investment in Frankfurt am Main sowie als Derivatehändler und Wertpapierspezialist bei der Deutschen Bank. Prof. Scholz studierte BWL an der Eberhard Karls Universität in Tübingen und absolvierte anschließend ein Promotionsstudium am Centre for Practical Quantitative Finance der Frankfurt School of Finance & Management. Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Scholz liegen in den Themenfeldern Digitalisierung des Finanzsektors, Anlagestrategien, Investmentprodukte sowie Finanzkrisen und Behavioral Finance.

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