Ich bin ein Banker, holt mich hier raus!

Ein Dschungelcamp für Banker

Ein Dschungelcamp für Banker? Wie verzweifelt müssen Fernsehanstalten sein, wenn sie statt Stars nun auch Banker in den Dschungel schicken? Und wie verzweifelt müssen erst Banker sein, wenn sie dieses Angebot auch annahmen?

Dschungelcamp für Banker

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„Mist!“, schimpfte Jochen Seifert laut, als er zur Dschungelprüfung antreten musste. Er wollte nicht schon wieder Teil einer demütigenden Zeremonie sein, in der er undefinierbares Zeugs essen oder ein Bad in tausenden Kakerlaken nehmen musste. Aber die Zuseher hatten für ihn angerufen und nun war es – wohl oder übel – wieder an ihm, sich zum Deppen zu machen.

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Wenn er die Person erwischen würde, die ihn zu diesem Fernsehformat angemeldet hatte, dann würde es aber ein Donnerwetter geben. Er tippte auf Dr. Kleber aus der Akkreditivabteilung, der war seinetwegen bei der letzten Beförderung übergangen worden. Vielleicht war es aber auch Frau Sacharin, der er in den vergangenen Budgetverhandlungen in die Quere gekommen war. Nachdenklich kratzte er sich an der Stirn, ehe er medienwirksam seinen Rücken den Dschungelkameras zuwandte, damit der dort angebrachte Aufdruck leichter für die Zuseher zu lesen war: Jochen 04.

Ich bin ein Banker, ruft für mich an!

Wie verzweifelt mussten die Fernsehanstalten sein, wenn sie statt Stars nun auch Banker in den Dschungel schickten? Und wie verzweifelt mussten erst Banker sein, wenn sie dieses Angebot dann auch annahmen? Andererseits war es auch hoch an der Zeit, dass sich die Medien einmal um den Beruf des Bankers kümmerten.

Es gab Fernsehserien über Rechtsanwälte, Krankenschwestern, Polizisten und natürlich die allseits beliebten Götter in Weiß, die Ärzte. Sogar Gebrauchtwagenhändler und nach Monaco ausgewanderte Millionäre hatten ihr eigenes TV-Format. Nur der Beruf des Bankers kam bislang zu kurz.

Bis jetzt!

Seifert zweifelte insgeheim an der Sinnhaftigkeit der Show, doch sein Manager und Mediencoach (ein gnadenloser Profi, der sich gleich nach Bekanntwerden seiner Nominierung von sich aus bei ihm meldete) sagte Jochen eine rosige Zukunft mit Werbeauftritten, Sponsoren und gutbezahlten Interviewterminen voraus. Und dafür würde er, der Manager und persönliche Freund, wie er sich gleich von Beginn an positionierte, natürlich sorgen. Es würde Jochen auch nicht mehr als 35 Prozent seiner Gage kosten – ein fairer Preis, wie der Profi meinte. Seifert, ein Neuling im Showbusiness, stimmte ohne lange nachzudenken zu, immerhin wusste er so gut wie nichts über diese Branche.

Die wesentlich kritischere Frage, die ihn als vernunftbegabten Menschen quälte war: würde das Publikum denn überhaupt Interesse an bis aufs Blut gequälten Bankern haben? Würden es die Leute gerne sehen, wenn sich statt der Stars aus Funk und Fernsehen die Banker von nebenan so richtig veralbern ließen?

Zuschauer lieben Banker – zumindest im Dschungel

Seifert hatte da so seine Zweifel. Die jedoch wurden schon am ersten Abend im Dschungelcamp zerstreut. Denn die Show lief blendend und so groß war der Unterschied zwischen dem Arbeitsplatz in der Bank und der kunstvoll zusammengezimmerten Dschungelkulisse gar nicht. Mag sein, dass er sein Handy vermisste, die durchaus gehobene Bankkantine und seinen ergonomisch geformten Lederchefsessel. Aber langweilig war es hier beileibe nicht!

Während er lustlos auf dem Abendessen – bestehend aus einer Pampe aus zu gar gekochtem Reis und undefinierbaren Bohnen – herumkaute, begannen sich seine Camp-Mitinsassen zu positionieren.

Laura, eine Wertpapierhändlerin mit der Nummer 09 hatte sich beim Einzug ins Camp an einem kleinen, runden Stein den Zeh gestoßen und begann jedes Mal herzzerreißend zu weinen, wenn sie an einer Kamera vorbeilief. Detlef, ein fitnessbegeisterter Buchhalter mit der Startnummer 12 quälte die gesamte Mannschaft mit Gesundheitstipps und Markus, eine Führungskraft aus dem gehobenen Management hatte die Nummer 01 ausgefasst, was er als Zeichen der Vorsehung sah. Folgerichtig erklärte er sich sofort zum Teamchef, was ebenso folgerichtig zum Beginn zahlreicher Intrigen gegen die Nummer 01 führte. Obwohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Instituten kamen und sich untereinander nicht kannten, kursierten alsbald die bösartigsten  Gerüchte über Markus.

Wie im richtigen Bankalltag …

Es war wie im richtigen Bankalltag, dachte Jochen. Seine Strategie für den Dschungel war einfach: er würde den sympathischen Kumpel geben. So wie mit seinem Manager und neuesten persönlichen Freund besprochen. Für den feurigen Liebhaber war er – ehrlich gesagt – schon zu alt und sein Bäuchlein hätte ihm in dieser Rolle auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Außerdem hatte sich schon Lukas, ein jugendlicher Sixpack-Träger mit der Startnummer 11 als Womanizer positioniert. Als Anlageberater war es Lukas gewohnt, schnell das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen. Und genauso schnell schaffte er es auch, die Aufmerksamkeit von Mariella, der gutgebauten Revisorin mit der Nummer 06 auf sich zu ziehen.

Mariella, das wusste Jochen sofort, würde im Kampf um die Krone und das stattliche Preisgeld eine harte Gegnerin werden. Denn beim morgendlichen Bad im Dschungeltümpel verlor sie jedes Mal – ups, wie ungeschickt – ihr Badetuch und stand kamerawirksam ein paar Sekunden oben ohne herum.

Jochens Vorteil im Kampf um die Dschungelkrone war – abgesehen von einer hart erlernten Leidensfähigkeit – sein unermüdlicher Optimismus, gepaart mit der Gabe der Anpassungsfähigkeit. Er schlief auf harten Feldbänken, tauchte in Bädern voll mit Fischabfällen, ließ sich freiwillig von Spinnen und Schlangen beißen und aß und trank Dinge, die er sonst nicht einmal als Wort in den Mund genommen hätte.

Augen zu und durch

All das erinnerte ihn sehr an das eine oder andere Einsparungsprogramm, welches er in seiner Bankerkarriere schon durchlitten hatte. Auch da hieß es: Augen zu und durch. Und so verflogen die Stunden und Tage…

Am Ende war natürlich Mariella siegreich und wurde zur Dschungelkönigin gekürt. Jochen, der nur den dritten Platz hinter Lukas belegte, konnte gut mit diesem Ergebnis leben, denn Dabeisein ist nicht nur alles, sondern wird auch noch ganz gut bezahlt.

Und Dr. Kleber würde sich wundern, wenn er von seiner Nominierung für die Show im nächsten Jahr hören wurde.

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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