Das Finanzwort des Jahres 2018 steht fest

Aktuelle Diskussionen und Trends in der Finanzbranche

Eine Jury aus renommierten Finanz- und Kommunikationsexperten hat zum zweiten Mal das deutsche Finanzwort des Jahres 2018 gekürt. Die Wahl aus über 100 Vorschlägen brachte ein klares Ergebnis.

Plattformökonomie ist das deutsche Finanzwort des Jahres 2018.

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Plattformökonomie ist das deutsche Finanzwort des Jahres 2018. Insgesamt wurden über 100 Vorschläge mit rund 60 Begriffen via E-Mail, Kommentaren und Tweets eingereicht.

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Eine Jury, bestehend aus Jörg Forthmann (Geschäftsführender Gesellschafter Faktenkontor GmbH), Stefan Lamprecht, (Geschäftsleitung Sopra Steria Consulting), Claudia Tödtmann (Redakteurin Wirtschaftswoche), Stefan Kaiser (stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft Spiegel Online) und Dr. Hansjörg Leichsenring (Der Bank Blog) hat über die vielfältigen Vorschläge beraten und nach intensiver Diskussion das Finanzwort des Jahres 2018 gewählt.

Auswahlkriterien waren nicht die Häufigkeit eines Vorschlags sondern Relevanz, Signifikanz und Bedeutung des Begriffs für Diskussionen und Trends in der Finanzbranche.

Plattformökonomie ist das deutsche Finanzwort des Jahres

Der Begriff Plattformökonomie steht stellvertretend für andere Begrifflichkeiten, wie Open Banking, Plattform-Banking, Plattformisierung, API-Banking oder Digitale Ökosysteme. PSD2 ist für viele ein wichtiger Meilenstein in diesem Prozess.

„Das Wort Plattformökonomie hat 2018 eine unglaublich starke Präsenz bei den Finanzdienstleistern und wird den Bankenmarkt auch 2019 prägen. Das zeigt, wie sehr die Branche in digitalen Dimensionen denkt und agiert. – Stefan Lamprecht, Sopra Steria Consulting

Dahinter verbirgt sich der Ruf nach einer Öffnung der Kreditinstitute für Drittanbieter. Banken und Sparkassen sollen auf offenen Plattformen nicht nur eigene Leistungen anbieten sondern auch Angebote Dritter integrieren. Konsequent zu Ende gedacht, wären Banken nur noch Vermittler und nicht mehr integrierter Anbieter von Finanzdienstleistungen.

Plattformökonomie wird

  • die traditionelle Bank-Kunde-Beziehung verändern,
  • neue Geschäftsmodelle für Finanzdienstleister ermöglichen,
  • zu einer nachhaltigen Veränderung der Finanzbranche führen.

Befürworter erhoffen sich damit mehr Innovation, Preisdruck, Transparenz und Auswahl für die Kunden. Als Muster gelten Unternehmen, wie Uber, Airbnb, Amazon und andere, die z.T. ohne eigene Produkte, lediglich durch Vermittlung arbeiten.

Zentrale Fragen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben sind:

  • Wem gelingt der Aufbau einer eigenen Plattform?
  • Wer hat zukünftig die Hoheit über die Schnittstelle zum Kunden?
  • Wer „besitzt“ die Beziehung zum Kunden?
  • Wer entscheidet über die Teilnehmer und das Angebot auf der Plattform?
  • Wie wird die – ohnehin knappe – Marge aufgeteilt?

Fest steht, es in Zukunft zahlreiche Plattformen geben wird. Gewinnen wird in der Plattformökonomie derjenige, der viele Kunden-Kontaktpunkte auf seiner Plattform anbietet und den meisten Traffic gewinnen kann. Offen ist noch die Frage, wie Kunden darauf reagieren und ob sie derartige Plattformen annehmen werden.

Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Deutsche Bank, die bereits seit einiger Zeit dabei ist, verschiedene Plattformen für unterschiedliche Kundensegmente aufzubauen.

Weitere wichtige Finanzbegriffe des Jahres 2018

Auf den Plätzen 2-5 landeten weitere wichtige Finanzbegriffe des Jahres 2018:

  • Cum-Ex
  • Nullzins
  • Apple Pay
  • Brexit

Platz 2 für „Cum-Ex“

„Immer noch weiß der allergrößte Teil der Bevölkerung nicht, was es mit „Cum-Ex“ auf sich hat, obwohl es der Gesamtheit der Bevölkerung geschadet und dem Fiskus Milliarden Euro Verluste beschert hat. Ebenso fragwürdig wie die Rolle der vermeintlich ehrwürdigen Banken ist dabei die Rolle der Behörden/Ministerien, die nicht unverzüglich gehandelt und die Zuviel-Erstattungen gestoppt haben.“ – Claudia Tödtmann, Wirtschaftswoche

Hinter dem Begriff versteckt sich eine Masche zum institutionellen Steuerbetrug in Milliardenhöhe durch Aktiengeschäfte. Durch das Verschieben von Aktienbeständen zwischen mehreren Banken wurden unberechtigte Steuererstattungen auf Dividendenzahlungen ergaunert. Der dadurch entstandene Schaden wird auf über 55 Milliarden Euro beziffert. Alleine dem deutschen Fiskus seien mindestens 32 Mrd. Euro entgangen.

„Cum Ex wird die Kreditinstitute finanziell nicht niederschmetternd treffen. Wesentlich folgenschwerer ist die Auswirkung von Cum Ex auf die Reputation der Institute.“ Jörg Forthmann, Faktenkontor

Eine neue Spielart ist „Cum-Fake“. Hier ermittelt eine Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Steuervergehen bei solchen Aktiengeschäften, bei denen es die Aktien nicht einmal gibt.

„Nullzins“ auf Platz 3

„Nullzins ist ein früher unbekanntes Wort, das irgendwie alles auf den Kopf stellt. Wie soll man Kindern noch Sparen am Weltspartag beibringen mit dieser Prämisse?“ – Claudia Tödtmann, Wirtschaftswoche

Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist mehr als umstritten und hat allein hierzulande Auswirkungen auf 80 Millionen Menschen. Sie bringt Sparern seit längerem einen realen Verlust auf ihre Einlagen und gefährdet damit die langfristige Vermögensbildung und die Sicherung der privaten Altersvorsorge.

„Die Nullzinspolitik entspart allein in Deutschland 80 Millionen Menschen. Der Staat züchtet Altersarmut, die uns ab 2030 schmerzhaft bewusst werden wird. – Jörg Forthmann, Faktenkontor

Den Banken beschert sie einen Einbruch des Zinsergebnisses, den weder Negativzinsen auf Kundeneinlagen verhindern, noch Provisionsgeschäfte und Preiserhöhungen kompensieren können. Selbst eine Umkehr der Zinspolitik würde sich erst in Jahren bemerkbar machen. In der Folge sind Kreditinstitute gezwungen, intensiv über neue tragfähige Geschäftsmodelle nachzudenken. Ein weiterer Effekt ist eine beschleunigte Konsolidierung der Bankenlandschaft, insbesondere kleinerer Institute, was nicht ohne Folgen für die Kunden bleiben wird.

Platz 4 geht an „Apple Pay“

Der Begriff „Apple Pay“ steht stellvertretend für die digitale Revolution im Zahlungsverkehr. Auch wenn bei uns Bargeld heute noch dominiert, zeigt der häufige Blick gen Norden, wohin die Reise gehen könnte. Der Einstieg der Trendmarke Apple ins deutsche Mobile Payment elektrisiert und wird dem Bezahlen mit dem Smartphone neuen Auftrieb geben.

Der Erfolg durch ein verändertes Kunden- und Bezahlverhalten wird sicherlich nicht von heute auf morgen einsetzen, dürfte sich aber exponentiell einstellen, sobald die Menschen „auf dem Geschmack“ gekommen sind.

Zugleich zeigt sich aber darin auch das Dilemma der Banken und Sparkassen, die einen Teil ihrer bisherigen Rolle als „Hüter des Zahlungsverkehrs“ abgeben werden.

„Brexit“ auf Platz 5

„Der Brexit hat vor allem über die vergangenen Wochen hinweg die internationale Finanz- und Wirtschaftswelt bewegt wie kaum ein anderer Begriff. Die Frage, was aus London als derzeit größtem Finanzplatz Europas wird, bleibt unklar. – Stefan Lamprecht, Sopra Steria Consulting

Im März verlässt Großbritannien die EU. Egal, ob es ein harter oder rein geordneter Brexit wird, die Auswirkungen werden auch im deutschen Finanzmarkt spürbar sein. Zumindest in den ersten Jahren wird damit sehr viel Unsicherheit diesseits und jenseits des Ärmelkanals verbunden sein.

Zum Jahresende sind diese Fragen immer noch nicht abschließend geklärt, aber es drängt sich der Eindruck auf, dass Frankfurt vielleicht doch nicht der ganz große Brexit-Gewinner werden könnte.“ – Stefan Kaiser, Spiegel Online

Es wird sich zeigen, ob die Hoffnungen aufgehen, dass der Finanzplatz Deutschland vom Brexit profitieren kann. In jedem Fall wird er sich in der Folge wandeln. Schon jetzt steigen allerdings die Mieten in Frankfurt ob des Zuzugs bisher in London ansässiger Banken deutlich an.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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