Warum verstehen erfahrene Private Banker die Blockchain nicht?

It’s in their DNA, stupid!

Erfahrene Private Banker verstehen oftmals nicht das Konzept der Blockchain. Erst als mir klar wurde, dass ich das falsche Vokabular verwendete, konnte ich ihnen erläutern, worum es sich bei dieser spannenden Technologie dreht.

Blockchain-Technologie für Private Banking

Blockchain-Technologien spielen auch im Private Banking eine Rolle.

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Haben Sie schon einmal versucht, einem erfahrenen Private Banker das Blockchain-Konzept zu erklären? Haben Sie probiert, den Begriff „Distributed Ledger“ dieser Art vom Publikum nahe zu bringen? Und haben Sie ebenso wie ich immer und immer wieder das gleiche Ergebnis erzielt: Haben Sie auch den Kopf gegen die Wand geschlagen?

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Ich habe lange über die Frage nachgedacht, warum es so viel schwieriger ist, dieses Konzept vermeintlichen Bank-Experten zu erläutern als Erstsemester-Studenten. Nach zahlreichen vergeblichen Erklärungsversuchen dämmerte es mir. Ich hatte das falsche Vokabular benutzt.

Das richtige Vokabular

Die Verwendung des Wortes „Ledger“ war absolut kontraproduktiv. Wenn man über einen Ledger spricht, so übersetzt der traditionelle Banker diesen Begriff sofort in „Bankbuch“ und das ist nun mal dasjenige Buch, in dem eine Bank alle Aufzeichnungen über Transaktionen der Kunden führt. Es ist somit der heilige Gral des Private Banking. Die „Distribution“, d.h. die Verteilung des Heiligen Grals über viele Parteien hinweg, ist für viele Private Banker unvorstellbar.

Wird dieses Vokabular erst einmal verwendet, kommt es kaum mehr darauf an, ob Sie ferner erklären, dass die Einträge in der Blockchain typischerweise anonymisiert werden. Es ist dann ebenfalls sinnlos, weiterhin zu erläutern, dass beispielsweise Bitcoin-Konten nicht an die Identität von Nutzern gekoppelt sind. Auch das Argument, dass jeder Nutzer jederzeit neue und völlig zufällige Bitcoin-Konten eröffnen kann, ohne dass persönliche Daten übermittelt werden müssen, wird dann nicht mehr ziehen. In dem Augenblick haben Sie ihre Zuhörerschaft schon verloren. Was ich daher in dieser Situation hilfreich fand, ist den Begriff „Ledger“ überhaupt nicht zu verwenden. Stattdessen nenne ich es „verteilte Datenbank“ oder „verteiltes Buchhaltungssystem“.

Ein praktisches Beispiel

Ein Freund von mir, der Design-Thinking-Pionier Michael Lewick, hat mir empfohlen, in besonders schwierigen Fällen eine praktische Übung zu machen. Ordnen Sie jedem der zehn Banker, die mit Ihnen in einem Raum sitzen, individuell eine zufällige und dennoch unterschiedliche Nummer zu und lassen sie jeden Teilnehmer seine jeweilige Nummer sowie seine Lieblingsfarbe auf einem separaten Blatt Papier notieren. Lassen Sie die Banker das Papier an den nächsten Teilnehmer weitergeben und jeder wiederholt diese Übung. Tun Sie es insgesamt zehn Mal. Am Ende hält jeder eine Liste mit 10 Nummern und Lieblingsfarben in den Händen.

Nun können Sie fragen

  1. „Was ist Herr Meyers Lieblingsfarbe?“ – die anderen sollten nicht in der Lage sein dies zu sagen, da Herr Meyers Identität von Ihnen anonymisiert wurde. Sie können ebenso aber auch Herrn Meyer fragen, ob auf seinem Blatt die richtige Farbe steht, was eindeutig der Fall sein sollte – er kennt ja seine Nummer.
  2. Sie können nun jemanden bitten, jetzt einen „Betrug“ zu begehen, d. h. die Lieblingsfarbe eines Teilnehmers zu ändern – was fast unmöglich sein sollte, es sei denn, der beauftragte Betrüger tut dies auf zehn verschiedenen Blättern Papier, wobei die neun verbleibenden Gruppenmitglieder diesem Vorgehen natürlich zustimmen müssten.

Diese Übung erklärt zwei der Hauptmerkmale der Blockchain, wie die „Immutability“, d.h. die Unveränderlichkeit der Daten, sowie die „Finality“, d.h. die Bestimmtheit der Daten, da es nur eine einzige Datenbank gibt, von der jedoch zahlreiche Kopien existieren.

Es ist einen Versuch wert

Diese beiden Maßnahmen kombiniert, d.h. eine praktische Übung sowie die Verwendung einer Sprache, welches das Publikum versteht, sollten das Problem lösen. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert! Das Blockchain-Konzept ist zu wichtig, als dass wir es uns leisten könnten, Private Banker zurückzulassen. Ich wünsche fröhliches Erklären!

P.S .: Alternative Blockchain-Definition

Alternativ können Sie die von Deloitte erarbeitete und empfohlene Erklärung verwenden:

„Sie (ein „Node“, also ein „Knotenpunkt“) haben eine Datei mit Transaktionen auf Ihrem Computer (einen „ledger“, bzw ein „Hauptbuch“). Zwei Regierungsbuchhalter (nennen wir sie „miners“) haben die gleiche Datei auf ihrem Computer (sie ist also „verteilt“). Wenn Sie eine Transaktion ausführen, schickt Ihr Computer eine E-Mail an beide Buchhalter, um sie zu informieren.

Jeder Buchhalter beeilt sich, um der erste zu sein, der überprüft, ob Sie es sich leisten können (und um ihr Gehalt in „Bitcoins“ ausgezahlt zu erhalten). Der erste, der überprüft und bestätigt hat, klickt auf „ALLEN ANTWORTEN“ und fügt seine Überlegungen für das Überprüfen der Transaktion an („Proof of Work“). Falls der andere Buchhalter derselben Meinung ist, aktualisiert jeder seine Datei…“

Dieses Konzept wird durch die „Blockchain“-Technologie ermöglicht.

Kein Scherz, das ist die einfachste Erklärung von !

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Über den Autor

Prof. Dr. Patrick Schüffel

Patrick Schüffel ist Professor am Institut für Finanzen der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (Schweiz) und vertritt die Hochschule derzeit als Liaison Officer vor Ort in Singapur. Zuvor war er als Chief Operating Officer und Vorstandsmitglied für die Saxo Bank (Schweiz) AG tätig. Bei der Credit Suisse war er davor global verantwortlich für die Innovationsaktivitäten der Division “Investment Services & Products”. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Themen Unternehmertum im Finanzdienstleistungsbereich, Strategie, Innovation und Internationales Management. Er publiziert hierzu in Fachzeitschriften und referiert auf internationalen Konferenzen. Herr Schüffel hat an University of Reading/UK promoviert, einen Master Degree of International Business an der Norwegischen Handelshochschule in Bergen/Norwegen erworben und ein den Titel Diplom-Kaufmann von der Universität Mannheim/Deutschland.

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